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Ode eines Lastträgers




Lass meine Liebe leicht werden wie einen Sommerregen
oder wie einen Groschenroman
Lass sie mich in meinen Händen fühlen und formen
wie ein Stück Lehm
oder reiche sie mir wie eine Ansichtskarte aus fernen Landen
von einer Unbekannten
Lass meine Liebe fliegen
wie eine Taube aus ihrem Schlag
oder öffne die Schleusen an der Talsperre meines Herzens
Mach, dass meine Liebe leicht wird wie ein Kolibri
wie eine Schneeflocke soll sie treiben
oder wie eine Spur im Wüstensand verwehen
Lass sie leichter werden noch als ein Blatt Papier
Lass sie fallen wie einen Kiesel in den Teich
von neugierigen Kinderaugen verfolgt, bis er einsinkt
in den weichen Schlick des Grundes - unerreichbar
Lass mich die Last meiner Liebe verschlingen wie ein Picknick
... und zum Nachspülen ein roter Landwein
ich trinke auf die leichte Liebe
stoßen wir an, Geliebte, ich sehe uns in Zukunft öfter anstoßen
Lass die Liebe sein wie einen Seufzer der Unbekümmertheit
wie das "Klong" unserer anstoßenden Weingläser
Lass sie sein wie einen Country Song
gespickt mit Träumen von Freiheit und Abenteuer
... und von meinem Gesicht fallen die Fesseln der Entgleisung
und Verirrung
... und von der anderen Straßenseite ruft mich deine Stimme
... und ich steige in einen Zug
um zu fahren - wer weiß wohin
Lass uns auf die Eisenbahnen und Bahnhöfe dieser Welt trinken
Wer weiß schon, was sie bedeutet: der Liebe Last?
Wenn wir sie schon tragen müssen
dann lass sie leicht sein
leicht wie ein Witz des Spaßmachers
leicht wie die Rede des Verführers
leicht wie ein Wiegenlied
leicht wie Zigarrenrauch, wie Leuchtreklame
wie das Wenden einer Seite in einem Journal
leicht wie die Müdigkeit des Tagträumers
wie mein Atem zu dir ...




(1990)

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der fragende mensch




absurd, absurd - ist mein gefühl

irgendwas stimmt nicht
mit mir oder mit der welt

nicht nur die erde
es ist verrückt

ich glaube nicht an gott
auch nicht an unseren verstand

außerdem ist es lustig
aber auf die dauer langweilig

wenn man halt so lebt
im großen und ganzen zufrieden

weil man sich die fragen spart
weil es unsinn ist zu fragen

warum das alles so ist
und nicht anders

ich suche den menschen
der die fragen stellt

der mir das gefühl gibt
nicht allein zu sein

ich kann mich nicht einfügen
wie man es wünscht

scheinheilig die freiheit verspricht
- ekelhaft!

in mir ist traurigkeit
es wird oft eng

mit den erwartungen
die diese welt an mich stellt

oft schreie ich ganz still
in mich hinein

wegen der hoffnung
die kommt und geht

wegen der triebe
die irgendwo - ganz tief

nach leben verlangen




(1981)
ein gedicht aus meinen schreib-anfängen

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zuerst war das wort




zuerst war das wort
ein wort, so lang wie ein buch
ätzend, ätzend lang
ein wort, das eine bibliothek füllt
oder alle, alle bibliotheken der welt
zusammen
ein wort, das auszusprechen viele
jahre dauern würde
unzählige, unzählige menschenleben
lang
seit anbeginn der zeit betet der
schöpfer das
wort
den lebensplan für alle dinge
und lebewesen

ein wort, das älter und älter
wird und dunkler
wie die vergangenheit
ein wort, das kein computer je
erfassen wird
niemals, niemals
weil auch die zukunft geschrieben
steht
ein wort, das kein ende kennt
denn das ende ist selbst teil des
wortes, ist selbst teil
ein wort, das ein empfindsames
herz wohl spürt wie eine melodie
wie den blues des lebens
ja
wie den blues des lebens




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Ich Tue, Also Bin Ich




ich schlafe, ich träume
auch wenn ich
wach bin
ich schlafe
mit Augen offen
Ohren, die lauschen
dem Saxophonspieler
in der Sonne
ich schlafe
der Cidre warm
ich schlafe, ich träume
auch wenn ich
wach bin
die Augen offen
der Cidre warm
die Kehle hinunter
ich schlafe, ich träume
auf einem Mäuerchen
in der Sonne
die Augen offen
Ohren, die lauschen
dem Saxophonspieler
ich schlafe
auch wenn ich
wach bin
ich träume
inmitten eines
Menschenparks
die Fußgängerzone
wie ein Laufband
ich schlafe, ich träume
auch wenn ich
wach bin
die Augen offen
in der Sonne
Ohren, die lauschen
dem Saxophonspieler




(14.03.2000)

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an diesem abend




an diesem abend
passiert es
da öffne ich dich
und trinke dich leer
an diesem abend
entschuldige, daß ich mich wiederhole
und an anderen tagen
sah ich dich nicht mal
ich hatte plötzlich durst
und hatte nichts anderes im haus
mann, ich liebe dich!
ich trinke dich aus einem glas
am schluß bist du
zwar nur noch `ne leere flasche
aber was rede ich
ich liebe dich
und irgendwann liegst du in scherben

(1982)

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