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zuerst war das wort




zuerst war das wort
ein wort, so lang wie ein buch
ätzend, ätzend lang
ein wort, das eine bibliothek füllt
oder alle, alle bibliotheken der welt
zusammen
ein wort, das auszusprechen viele
jahre dauern würde
unzählige, unzählige menschenleben
lang
seit anbeginn der zeit betet der
schöpfer das
wort
den lebensplan für alle dinge
und lebewesen

ein wort, das älter und älter
wird und dunkler
wie die vergangenheit
ein wort, das kein computer je
erfassen wird
niemals, niemals
weil auch die zukunft geschrieben
steht
ein wort, das kein ende kennt
denn das ende ist selbst teil des
wortes, ist selbst teil
ein wort, das ein empfindsames
herz wohl spürt wie eine melodie
wie den blues des lebens
ja
wie den blues des lebens




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Kommentare  

  1. melusine sagt am May 24, 2008 @ 09:26 PM: Hui, das ist interessant, du liest das natürlich ganz anders als der Ohrenschützer (klar), gefällt mir sehr gut! Spannende Sache, wenn man einen Text mal vom Autor selbst, mal von wem anderen gelesen hört. Bei dir klingt es übrigens mehr nach Gedicht. Beim Ohrenschützer fast wie Prosa. Was mich aber auch nicht stört - dich?
  2. bonanzamargot sagt am May 25, 2008 @ 06:21 PM: ja, das war auch das motiv, "zuerst war das wort" mal selbst zu sprechen. mir gefällt ohrenschützers "version" sehr gut! ich wirke dagegen eher blass.
    ich muss mich sowieso noch mit meiner stimme, meiner sprachmelodie anfreunden.
    bei einem gedicht von einem anderen autor fällt es vielleicht leichter gezielt betonungen zu setzen, weil man den text unbefangener sieht ...
    ich muss auch dahin kommen, mit meiner stimme mehr zu wagen (wie z.b. bei "an diesem abend").

    danke für deine eindrücke, melusine.

    boma
  3. ohrenschützer sagt am Jun 20, 2008 @ 03:21 PM: Ich finde es auch ziemlich interessant, wie Du als Autor den Text interpretierst. Es stimmt, Gedichte allgemein und speziell Prosagedichte reizen mich oft dazu, sie so zu lesen, als raune man sie sich nach dem Sex zu; dann wenn man viel Zeit zum Nachdenken hat, an die Decke starrt und wunderschöne Worte in die neu entdeckte Schönheit der Welt herauswollen.

    Du kannst sicher noch mehr wagen; übertreib ruhig einmal, spiel mit Ausdruck und Tempo - es macht richtig Spaß. Freu mich, die Ergebnisse davon zu hören.
  4. bonanzamargot sagt am Jun 20, 2008 @ 03:34 PM: Hallo Ohrenschützer, das hast du sehr schön ausgedrückt ... nach dem Sex ... okay, normalerweise bin ich nach dem Sex erstmal leer und glücklich ... aber ich weiß, wie du es meinst.

    Du hast recht, man kann beim Vorlesen ruhig etwas wagen. Man muss sich entkrampfen - aber so einfach ist es nicht. Beim Sex habe ich ja einen echten Anreiz ... beim Vorlesen fehlt der mir irgendwie.

    Gruß
    bon.

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