bonanzamargot hörbar

aufruf




leben!leben!leben!
flammen der revolution wünsche ich in unsere herzen
auf den schlachtfeldern sind die herzen gläsern
gesichter, drückt euch aneinander
schaut nur, die erde ist rund
wie? die erde ist rund?
was wissen wir davon?
die berge sehen die flüsse fließen
und wolken fliegen gen horizont
über die wasser und das land
über die zahllosen schlachtfelder
vielfältig!vielfältig!vielfältig!
gesichter, drückt euch aneinander
was sehe ich, was nicht gleich wäre?
im leben wie im tod - zu allen zeiten
und in allen räumen und dingen
in der gesamtheit und in der nichtigkeit
in allen größen ...
dabei -
zerspringen unsere herzen auf den schlachtfeldern
der ideen
wohlan!wohlan!wohlan!
wie die tropfen teil der fluten
und die fluten teil des ozeans
gesichter!wir sind die tropfen und vewenden
uns darauf, die fluten, vielleicht den ozean
zu erobern
- es ist alles wasser
leben!leben!leben!
tod dem schlachtfeld des materialismus
tod dem schlachtfeld des kapitalismus
tod den schlachtfeldern aller ismen und religionen
tod allen schlachtfeldern auf dem erdball

es lebe die revolution in unseren herzen




(1985)

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Die Poetentankstelle




Vergeblich suche ich die Leichtigkeit
finde etwas Zerstreuung beim Blättern durch die Lyrik
von Nazim Hikmet
weihnachtliche Illumination vor der Kneipentür
die Nacht hat sich den Tag gepackt
ich sitze auf einer verwetzten Holzbank
das Bier griffbereit vor mir
gäbe es doch eine Poetentankstelle für das Auftanken
unserer leeren Köpfe
zu gegebener Zeit
an dem opulenten Arsch der Bedienung kommen meine
Blicke nicht vorbei
ihre Augen sind ständig entzündet, und ihr lächelnder Mund
wie eine Mondsichel -
die Kneipe ein kurzer Schlauch
Geborgenheit

Vergeblich suche ich die Leichtigkeit
Gedanken huschen wie lästige Fruchtfliegen vor meinem
Geist
die Reise vom Heute in das Morgen
ist Unruhe
bin ich der Gast, der auf der verwetzten Holzbank sitzt
das Bierglas ansetzend
die Lyrik von Nazim Hikmet vor Augen
wie den opulenten Arsch der Bedienung?
gäbe es doch eine Poetentankstelle für das Auftanken
unserer leeren Köpfe
zu gegebener Zeit
die fremden Menschen rücken in mein Gefühl
als wären sie Kunstwerke einer liebevoll arrangierten
Ausstellung
Öllampen brennen auf den Kneipentischen
der freie Bauchnabel einer Frau, die sich streckt
die Mutter hebt das Baby aus dem Kinderwagen
und wiegt es an ihrer Brust
das kleine Wesen fasst sich einen Finger
unsere Augen leuchten

Die Nacht, die den Tag geholt hat
die Kälte der illuminierten Stadt im Winter
vergeblich suche ich die Leichtigkeit
ich leide unter einem chronischen Katarrh der Seele
gäbe es doch eine Poetentankstelle für das Auftanken
meines leeren Kopfes
zu gegebener Zeit


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bewusst




sieh den schatten von mir
und dass ich hier stehe
ganz fest
und dass mir der tag
die tränen abwischt
und mich der wind
ganz zart umwehe

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